Nach einem Jahr Pause macht die Ladies Tour, die Thüringen-Rundfahrt der Frauen, wieder Station auf dem Markt.

Nach dem ersten Startschuss machen sich die Radsportlerinnen im Minutentakt daran, die 18,7 Kilometer rund um Schmölln so schnell wie möglich hinter sich zu bringen – beflügelt durch die Anfeuerung vieler Zuschauer. Foto: Marcel Hilbert

Foto: Marcel Hilbert

Nach dem ersten Startschuss machen sich die Radsportlerinnen im Minutentakt daran, die 18,7 Kilometer rund um Schmölln so schnell wie möglich hinter sich zu bringen – beflügelt durch die Anfeuerung vieler Zuschauer.

Schmölln. „Naja, Hanka Kupfernagel kennt man schon“, sagt Monika Sieber und lächelt. Ansonsten, sagt sie, sei sie nicht so sattelfest, was die aktuellen Topfahrerinnen angeht. Aber das ist der Schmöllnerin auch gar nicht so wichtig. „Ich komme jedes Jahr, wenn die Tour hier ist, um die Atmosphäre zu erleben.“

Dass sie und viele andere Schmöllner nach einem Jahr Pause als Etappenort der Ladies-Tour wieder Lust auf Radsport hatten, konnte man gestern auf dem Marktplatz erkennen. Sicher auch dem guten Wetter geschuldet, herrschte zum Start der Einzelzeitfahr-Etappe viel Trubel. Ehe Bürgermeister Sven Schrade(SPD) die Pistole zum Startschuss für die erste Profi-Fahrerin erhob, trat er selbst in die Pedale. Zusammen mit der Männermannschaft und der ­B-Jugend des SV Schmölln 1913 sowie einer Handvoll seiner Begleiter, mit denen er zuletzt die 450 Kilometer lange Radtour von Schmölln nach Mühlacker unternahm, ließ Schrade beim Städtewettkampf die Beine auf dem Ergometer kreisen. Zwei Stunden gilt es, an jedem Etappenort auf zwei Ergometern so viele Kilometer wie möglich zu erstrampeln. Das Ergebnis von gestern wird aber noch geheim gehalten, um den Konkurrenten heute in Greiz und zum Abschluss in Gotha keine Zusatzmotivation zu verschaffen.

Aber so viel sei verraten: Es kamen ordentlich Kilometer zusammen, was sicher nicht zuletzt an der lautstarken Unterstützung der Cheerleader des SV Großstöbnitz 90 gelegen haben dürfte. Wieder bei Atem nutzte Schrade die Gelegenheit, den Streckenposten der freiwilligen Feuerwehr und allen weiteren freiwilligen Helfern zu danken.

Während auf dem Markt das Duo Milk & Honey für die Musik sorgte und sich die Besucher an Ständen mit Fanartikeln oder Verpflegung eindeckten, studierte Robert Platzek aufmerksam die Liste am Eingang zum Meldebüro/Ratskeller. Es sind die gesammelten Resultate der 54 Starter beim Jedermann-Zeitfahren, das der SV Aufbau Altenburg im Rahmen der Frauen-Rundfahrt am Vormittag startetet. Seinen Namen fand Robert Platzek an fünfter Stelle. „Ich bin zufrieden“, sagt der 34-jährige Jenaer Triathlet: „Zumal ich mit meinem neuen Fahrrad zum ersten Mal überhaupt gefahren bin.“ Dass er in Schmölln dabei ist und sich nach dem eigenen Rennen dem Anfeuern der internationalen Top-Fahrerinnen widmete, sei für ihn selbstverständlich, schließlich sei er gebürtiger Schmöllner.

„Selbstverständlich“ sei auch Dieter Gruner wieder in Schmölln dabei. „Ich komme aus Meerane, habe 25 Jahre an der Steilen Wand gewohnt. Leider sind wir dieses Mal nicht dabei.“ Sonst habe er dort zugeschaut, wie sich die Fahrerinnen den Berg hinaufquälen, an dem er sich selbst nur einmal auf dem Rad versuchte, und sei anschließend ins benachbarte Schmölln gefahren. Diesmal ging es gleich in die Knopfstadt.

Selbe Disziplin, selbe Strecke, 54 Starter bei Jedermann-Rennen:

Zur Schmölln-Etappe bei der Frauen-Rundfahrt war gestern auch wieder ein Jedermann-Rennen angesetzt, organisiert vom SV Aufbau Altenburg. Noch bevor die Weltelite des Damenradsports in ihr Einzelzeitfahren startete, waren am Vormittag in der selben Disziplin und auf der selben 18,7 Kilometer-Schleife Hobby-, Freizeit- und Amateursportler gefordert. Dass es am Ende nur 54 Starter waren, darunter fünf Frauen, hing wohl auch mit der zweijährigen Pause des Jedermann-Zeitfahrens zusammen, hieß es vor Ort. Vor der allgemeinen Rundfahrtpause 2016 war im Jahr zuvor ein Rundenrennen veranstaltet worden.

Schnellster in der Männer-Wertung war am Ende Matthias Hahn vom Team BachusBike mit 28:19,09 Minuten. Schneller war nur Armin Fischer vom ­RSC Monte Kali Neuhof, der in der Altersklasse Senioren 1 in 28:00,23 Minuten siegte. Ebenfalls unter einer halben Stunde blieben Danny Kober (ILB Graakjaer Cycling Team) mit 29:32,08 und Tom Scheibner (Physiotherapie Scheibner) mit 29:47,42, die in der Männerwertung Zweiter beziehungsweise Dritter wurden.

Bei den ältesten Startern, den Masters, gewann Uwe Landgraf vom RSC Gera 92, der für die Runde 31:31, 99 Minuten brauchte.

Bei den Frauen war Kerstin Genderjahn vom AC Apolda/ Leeze-Biehler-Xplova Fun Team siegreich mit einer Zeit von 31:39, 47 Minuten.

Kommentar Ganz nah an der Weltelite: Marcel Hilbert über eine Pause, die wohl für viele Schmöllner eine Ausnahme bleiben soll

Marcel Hilbert 17.07.17

Quelle: Ostthüringer Zeitung