Tausende in der Region bejubeln „Lotto Thüringen Ladies Tour“ bei der Premiere der Kulturstadt als Etappenort

Die Cheerleader-Kinder des 1. Cheer- und Fitnessclubs Weimar kurbelten die Stimmung an der langen Geraden an, als sie vor dem Fahrerfeld tanzten. Foto: Jens Lehnert
Die Cheerleader-Kinder des 1. Cheer- und Fitnessclubs Weimar kurbelten die Stimmung an der langen Geraden an, als sie vor dem Fahrerfeld tanzten. Foto: Jens Lehnert

Weimar. „Ich habe bei der Thüringen-Rundfahrt der Männer und der Frauen sowie bei der Hessen-Rundfahrt 125 Etappen als Leiter des Rennbüros miterlebt. So, wie sich die Stadt und das Publikum auf dem Goetheplatz präsentierten, müssen wir uns vor anderen Start- und Zielorten nicht verstecken. Das war von Weimar eine ganz starke Leistung und richtig gute Werbung für die Stadt“, sagte Volkmar Lübeck, Wahl-Weimarer und Vorstandsmitglied des hiesigen Radfahrvereins „Die Löwen“.

Bei der 30. Auflage der internationalen Thüringen-Rundfahrt der Frauen, die diesmal als „Lotto Thüringen Ladies Tour“ an den Start ging, stellte sich Weimar am Samstag erstmals als Etappenort vor – und das in einem Jahr, in dem die Tour das einzige Mehrtages-Radrennen für Profis in Deutschland ist.

Die Premiere schmeckte augenscheinlich den Sportlerinnen wie dem Publikum. Bei Start und Ziel auf dem Goetheplatz feierte die Stadt ein Volksfest mit Musik von Udo Hemmann, einer Modenschau der Weimarer Konsum-Genossenschaft und der Hüpfburg des Stadtsportbundes für die Jüngsten. Die Cheerleader-Kinder des 1. Cheer- und Fitnessclubs Weimarkurbelten die Stimmung an der langen Geraden an, als sie vor dem versammelten Fahrerfeld tanzten. Und mittendrin im Geschehen wirbelte Bürgermeister Peter Kleine, der mehrfach auf der Bühne gefragt war, und der auch den Startschuss gab.

Kleine war einer der Urheber, die das Radrennen nach Weimar geholt hatten. 2015, bei der Sportmeile im Atrium, kam er mit der einstigen Weltklasse-Fahrerin Vera Hohlfeld ins Gespräch, die die Chef-Organisatorin der Tour ist. Mit ihrem Wunsch, mit der Rundfahrt gern einmal nach Weimar zu kommen, rannte sie hier offene Türen ein – und entsprach ihrerseits der Bitte der Stadt, die Etappe aufs Wochenende zu legen. Peter Kleine fand indes die Sponsoren, um die rund 17 000 Euro zusammenzubringen, mit denen sich ein Etappenort am Etat der Tour zu beteiligen hat.

Von ungefähr kommt Kleines Herz für den Radsport nicht. Weimars Bürgermeister, in dessen Ressort auch der Sport fällt, saß zu Studienzeiten selbst einmal bei einem Amateur-Radrennen im Sattel – beim immerhin 220 Kilometer langen „Rund um Schotten“ in Hessen. „Wirklich gut trainiert war ich damals allerdings nicht. Ich hatte das Rennen noch zwei Wochen lang in den Beinen“, räumte Kleine ein.

An der Strecke fanden sich derweil Weimarer, die den Radsport noch weitaus ernsthafter betrieben – so der Chef der „Radlöwen“, Jens Nitschke, und sein Vater Armin, der den Verein 1990 mit aufgebaut hatte.

Armin Nitschke, heute 76, leitete bereits seit seinem 24. Lebensjahr die Radsport-Sektion bei Motor Weimar. In den 80er-Jahren war er jeweils Chef des Orga-Teams, das zweimal die Internationale Friedensfahrt in der Stadt empfing. Auch daran, dass die Friedensfahrt Ende der 90er-Jahre wiederum zweimal nach Weimar kam, kann sich Nitschke noch gut erinnern. 1998 wurde hier das Zeitfahren in Richtung Erfurtgestartet. Im Kulturstadtjahr ’99 war Weimar immerhin Etappen-Zielort.

Das letzte große Rennen, bei dem die Weimarer eine Zielankunft bejubeln konnten, war 2005 die Schlussetappe der Thüringen-Rundfahrt der Männer – mit dem Finale in der Rießner-straße. Das Spektakel austragen zu dürfen, war damals Verdienst des Weimarer Stadtsportbund-Chefs Dieter Schorcht, der im Jahr darauf verstarb. Gleichnis zu heute: Auch bei jener Tour handelte es sich seinerzeit um deren 30. Auflage.

Obwohl inzwischen nicht mehr in der Verantwortung, war Armin Nitschke auch am Samstag mehr als nur Zuschauer. Er gehörte zu jenen 25 Helfern aus den Reihen der „Löwen“, der DLRG, des HSV sowie des Ordnungsamtes und der Sportverwaltung, die die Polizei dabei unterstützten, an Zufahren und Überwegen die Rennstrecke freizuhalten – so unter anderem entlang der Belvederer Allee und in der Ettersburger Straße.

Jens Lehnert 17.07.17

Quelle: Thüringer Allgemeine