Erfurt, 17. Mai. Mehr als 20 Teilnahmen hat Petra Roßner bei der LOTTO Thüringen Ladies Tour. 1987 – damals noch als DDR-Rundfahrt – feierte die heute 55-Jährige sogar den Gesamtsieg. Dazu kamen für die Sprint-Expertin fast unzählige Etappensiege. Auch als Sportliche Leiterin erlebte Roßner die Tour und feierte mehrere Erfolge. In diesem Jahr begleitet die gebürtige Leipzigerin, die seit Jahresbeginn in Berlin lebt und als Radsport-Landestrainerin für den LSB Berlin arbeitet, die 34. Auflage der Rundfahrt (24. bis 29. Mai) als Expertin und Co-Kommentatorin für das mdr-Fernsehen.

Petra Roßner, welche Erinnerungen verbinden Sie vor allem mit Ihrer aktiven Zeit bei der Thüringen-Rundfahrt?
Ich erinnere mich sehr gern an die Etappen an Gera zurück. Da hatte ich Freunde, die im Ziel immer auf mich gewartet haben. Da brauchte ich dann einen Blumenstrauß. Meistenns habe ich einen gehabt – weil ich bei der Etappe auf Sieg gefahren bin. Und fast immer mit Hilfe meiner Mannschaft gewonnen habe.

Damals wie heute ist die Thüringen-Rundfahrt bzw. die heutige Ladies Tour für ihr begeisterungsfähiges Publikum bekannt, oder?
Ja. Wenn ich an meine aktive Zeit bei der Thüringen-Rundfahrt zurückdenke, kommt mir als erstes die Begeisterung der Menschen in den Sinn. Es war und ist noch immer Wahnsinn, wie viele Leute da an der Strecke stehen, damals zum Beispiel in Zeulenroda. Das war echt krass. Die Thüringer haben sich damals schon sehr für Radsport interessiert. Das hatte maßgeblich mit Olaf Ludwig zu tun, der aus Gera kam. Viele andere Friedensfahrer kamen auch aus Thüringen. Das hat die ganze Region mit Radsport infiziert – das ist meine Hypothese. Ich habe die ganzen Jahre danach, auch nach dem Mauerfall, die meiste Autogrammpost immer aus Thüringen bekommen. Auch diesmal werden sicher wieder sehr viele Radsport-Fans an der Straße stehen. Ich freue mich drauf.

Was zeichnet die Ladies Tour aus?
Die Rundfahrt hat Rang und Namen, sie ist sportlich sehr anspruchsvoll. Für deutsche Fahrerinnen ist es oft die einzige Chance im Jahr, sich vor heimischem Publikum, Freunden und Familie zu präsentieren. Dazu strahlt die Thüringen-Rundfahrt eine große Stabilität aus. Das ist in vielen Bereichen unseres Lebens in der jüngsten Zeit verloren gegangen – siehe Corona-Pandemie oder der Krieg in der Ukraine. Was es gestern gab, muss es morgen nicht mehr geben. Die Thüringen-Rundfahrt hat allen Widerständen getrotzt – und ist immer noch da. Die Rundfahrt hat was Familiäres, Herzliches, auch Professionelles und Stabiles. Das sind alles Attribute, die die Menschen brauchen. Und deshalb werden die Menschen wieder hingehen.

Haben Sie sich schon mit Strecke und Starterfeld beschäftigt?
Die Rundfahrt ist in diesem Jahr genauso schwer und attraktiv wie immer. Sicher ist die Überschneidung mit dem „Ride London“ da, aber selbst die Niederländerinnen aus der zweiten Reihe sind noch absolute Weltklasse.  Da wird sich etwas entwickeln – und das wollen wir ja. Gefragt für die Gesamtwertung ist wieder eine gute Allrounderin Man muss keine Bergziege sein, um in Thüringen zu gewinnen. Das war früher so – und gilt auch diesmal.

Sie sitzen diesmal nicht auf dem Rad oder im Auto, sondern kommentieren als Expertin die sechs Etappen vom Start in Hof bis ins Ziel nach Altenburg am 29. Mai als Expertin des mdr-Fernsehens. Wie kam es dazu – und glühen schon die Telefondrähte?
Ich habe früher schon als Co-Kommentatorin zusammen mit Karsten Migels auf Eurosport die Weltmeisterschaften mit begleitet. Das hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Als ich dann als Sportliche Leiterin in den Renndienstwagen gewechselt bin, fehlte mir natürlich dazu die Zeit. Damals war ich sehr nah dran – heute muss ich mich etwas mehr vorbereiten. Ich muss mich ein bisschen einlesen und pflege natürlich meine Kontakte zu den Fahrerinnen und Sportlichen Leitern, um auch mal Interna aus dem Peloton erzählen zu können. Wichtig ist: Der Frauen-Radsport sollte die Plattform nutzen, die ihm das mdr-Fernsehen bietet. Dabei helfe ich gern mit.

Interview: Thomas Juschus (Stand 17.5.) / Foto: privat