15 km lang fuhr Ellen van Dijk ganz allein an der Spitze. Und sie fühlte sich allein. „Ich hatte gehofft, daß ein paar Fahrerinnen meine Attacke mitgehen würden. Aber es kamen keine, nur Zweifel: Was nun? Aufgeben oder durchziehen?“ Im Jahr zuvor war sie auf dem Hankaberg Zweite. Wirkte das gute Omen?

Nicht ganz, obwohl sie sich zum Soloritt entschied. Sie hatte nach dem harten Ritt hinauf zur 2. Bergwertung gedacht, das sei der richtige Moment für einen Angriff. Doch man ließ sie allein, und sie fühlte sie sich so. Sie stemmte sich gegen den Wind, mit kraftvollem, aber rundem Tritt. Sie holte eine Minute heraus, den größten Vorsprung der Etappe. Aber der reichte nicht. Obwohl sie in der Gesamtwertung keine Gefahr für die Favoriten ist, hetzte das ganze Feld hinter ihr her. Und schnappte sie. Am Schlußanstieg war sie trotzdem als 14. nur 16 sec hinter der Siegerin. Und fuhr dann noch auf dem Rad 45 min in Richtung Hotel. „Das reicht jetzt“, schloß Ellen diese Kapitel ab. „Heute wird es kein Solo von mir geben!“ Dann aber ein verschmitztes Lächeln: „Wahrscheinlich morgen wieder. War schließlich ein gutes Training fürs Einzelzeitfahren…“

AUTOR: Ulli Jansch
FOTO: Arne Mill