Obwohl sie nicht mehr im Rennen war, stand Vita Heine noch einmal auf dem Podium. Die Siegerin von Dörtendorf erhielt am letzten Tag für ihren Kampfgeist den Amy-Gillet-Preis, der nach der australischen Fahrerin benannt ist, die 2005 beim Training für die Thüringen Ladies Tour von einem Auto umgefahren wurde und an den Verletzungsfolgen starb.

Seit 2006 gibt es den nach ihr benannten Gedächtnis-Preis für eine Fahrerin, die besondere Hingabe zum Radsport beweist. 2019 entschied sich die Jury für Vita Heine, die auf der 4. Etappe in der Abfahrt von der ersten Bergwertung ohne eigenes Verschulden stürzte und sich eine tiefe Schnittwunde zwischen Ringfinger und kleinem Finger zuzog. Trotzdem fuhr sie (wie auch Trixi Worrack, die sich beim gleichen Sturz am rechten Knie verletzte) noch 80 km bis ins Ziel in Gotha. Vita wollte sogar die Rundfahrt fortsetzen und sich dafür die rechte Hand so schienen zu lassen, daß sie den Lenker anfassen konnte. Im Krankenhaus entdeckte man aber, daß der Knochen gebrochen und abgesplittert war. Nach sofortiger Operation wurde der rechte Unterarm geschient und bis zu den Fingerspitzen verbunden. Den Ehrenpreis konnte Vita Heine zumindest mit Daumen und Zeigefinger halten, als sie die Auszeichnung sichtlich gerührt entgegen nahm. Die Lettin, deren norwegischer Ehemann einen deutschen Großvater hat, bedankte sich für den warmherzigen Beifall des Publikums in Altenburg, hofft auf schnelle Genesung und möchte zur LOTTO Thüringen Ladies Tour zurückkehren.

AUTOR: Ulli Jansch
FOTO: Arne Mill